Ausgabe 172 | Seite 4 10. Oktober 2010 AD
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Kopfgrafik - © upjers GmbH & Co. KG

 

Die Wanderer von Elrandier

Die Miliz von Deberin (Fortsetzung)

Der Bürgermeister nickte. "Wie ist euer Name?" "Man nannte mich Cherubias, Sohn des Gleinar." "Gleinar, der Waisenpfleger?" warf der Wirt ein. Cherubias nickte. "Das ist mein Vater." "Gleinar ist ein alter Bekannter. Ich war mit ihm in der Armee des Königs, im letzten Jahr als er verwundet wurde. Wie geht es ihm?" "Gleinar kehrte vor einigen Wochen zu seinen Vätern heim."

Der Bürgermeister scheuchte den Wirt. "Mache unserem Gast ein gescheites Mahl. Dazu von deinem besten Wein." Er wandte sich wieder an Cherubias. "Gleinar war in der ganzen Provinz ein hochgeachteter Mann. Obwohl er ein Kriegsheld war, zog er sich seine Achtung auf andere Art zu. Überdenke dies, weiser Jüngling!" Cherubias lächelte. "Ich kam nicht, um zu kämpfen, ich reise nicht, um zu töten, sondern weil ich suche.“

"Was, im Namen der Sonne§ sucht Ihr?" Cherubias lächelte. "Meinen Bruder!" Der Bürgermeister sah ihn erstaunt an. "Ich wusste nicht einmal, dass Gleinar einen Sohn hatte. Nun hat er zwei und einer wird vermisst?" Cherubias schüttelte den Kopf. „Gleinar fand uns als Knaben vor seiner Tür. Mein Bruder wurde von einem Händler mitgenommen, weil seine Frau ihm keine Kinder schenken konnte. Ich blieb bei Gleinar, der in all den Jahren mein Vater wurde."

Der Bürgermeister nickte. "In den Jahren nach dem Krieg verloren viele Kinder ihre Eltern. Viele Frauen gaben auch ihre Kinder fort, nur weil ihr Gatte im Krieg fiel. Wisset ihr, warum eure Mutter euch fortgab?“ Cherubias zog den Brief seiner Mutter aus seinem Beutel und reichte ihn an den Bürgermeister weiter. Dieser las den kurzen Text mit Erstaunen. "Igras, den Namen habe ich schon einmal gehört. Er war Arzt in Battenbrunn, etwa drei Tagereisen gen Norden. Aber das war vor über zehn Sommern. Ich habe ihn damals aufsuchen müssen, weil ich wegen dringender Geschäfte in die Hauptstadt musste und auf der Reise erkrankte. Ein guter Arzt war er. Doch ob er noch dort weilt, ist mir nicht bekannt." Cherubias bedankte sich erfreut für diese unerwartete Auskunft, sprach jedoch nicht weiter, weil der Wirt mit Hammelkeule und einem Humpen Wein eintraf.

Cherubias zückte sein Messer und verspeiste schweigend die Hammelkeule. Der Bürgermeister erkannte, das Cherubias nicht weiterschwatzen wollte und entbot einen Abschiedsgruss. Dann eilte er von dannen. Genauso laut, wie er erschienen war. Man konnte noch hören, dass er draußen den Wachen Anweisungen gab, den Wald zu durchsuchen und von dem Gesindel zu reinigen. Cherubias hing kauend seinen Gedanken nach, genoss den vorzüglichen Hammel und den Wein. Als er zu Ende gegessen hatte, bedankte er sich nochmals beim Wirt und suchte sein Nachtlager auf. Das Schwert legte er an seine Seite, hüllte sich in seine Decke und schloss müde die Augen. Mit gut gefülltem Magen und leicht trunken von dem Wein schlief Cherubias nach wenigen Augenblicken tief und fest.

Mit dem ersten Hahnenschrei erhob sich Cherubias von seinem Lager. Der Gastwirt gab ihm ein Paket mit Verpflegung für den Weg. Außerdem hatte er noch etwas für ihn. "Ihr reist mit leichtem Gepäck. Der Bürgermeister bat mich, Euch dieses zu geben. Damit ihr es nicht zurückweisen könnt!" Lächelnd legte der Wirt einen Beutel auf den Tisch. Cherubias nahm den Beutel und wog ihn in der Hand. Er warf einen Blick in den Beutel und fand eine beträchtliche Anzahl Münzen. Mit einem Blick schätzte er den Gegenwert auf zwanzig Goldstücke. Cherubias schüttelte den Kopf. "Hat der Bürgermeister Euch entlohnt?" Der Wirt schüttelte den Kopf. Cherubias warf eine Münze auf den Tisch. "Ist das genug?" Der Wirt bekam große Augen. "Mehr als genug!" rief der Wirt, erstaunt über die Großzügigkeit. "Dann wünscht mir noch einen schönen Weg!" lächelte Cherubias. Der Wirt winkte ihm noch einmal zu und so machte sich Cherubias auf den Weg.

Battenbrunn lag drei Tagereisen im Norden, das Dorf Averhus jedoch zwei Tage nach Norden und dann einen Tag nach Westen. Wenn er erst nach Westen ging, fand er vielleicht seinen Bruder. Nach Norden gab es eine Spur seiner Eltern. Wenn er aber in einem der Orte nichts fand, hatte er zwei Tage verloren. Während er so vor sich hin lief, suchte er eine Lösung für sein Dilemma. Als die Sonne die Mittagsstunden verkündete, suchte er sich ein schattiges Plätzchen am Wegesrand unter einem großen Eisenbaum und öffnete das Paket, das ihm der Wirt mitgegeben hatte. Ein gutes Stück Brot und ein saftiger Schinken, eine kräftige Wurst und ein Schlauch Wein fanden sich darin. Cherubias aß ein Stück Brot, etwas Schinken, nahm einen Schluck Wein und zog die Kapuze ins Gesicht. So döste er eine Stunde im Schatten, bis er sich wieder auf den Weg machte. Er begegnete keiner Menschenseele, auch keinem anderem Wesen. Erst als die Dämmerung hereinbrach, sah er Lichterschein.

Zeltzeichnung Am Wegesrand stand ein einfaches Zelt, zwei grobschlächtige Holzfäller hatten sich hier niedergelassen. Sie saßen am Feuer und schwiegen sich an, als er sich näherte. "Guten Abend!" rief Cherubias schon von weitem, um zu zeigen, dass er nicht mit bösen Absichten kam. Die Holzfäller erhoben sich und griffen zu ihren Äxten, die neben ihnen lagen. "Darf ich mich zu Euch ans Feuer gesellen und meine müden Glieder wärmen?" Die beiden Holzfäller musterten ihn. "Wenn es denn sein soll!" Cherubias bedankte sich und setzte sich auf den Boden. Als das Feuer seinen Körper erwärmt hatte, öffnete er das Paket, das er vom Wirt erhalten hatte und bot den beiden auch etwas von Brot und Schinken an. Die Holzfäller lehnten dankend ab, wohl wissend, dass ein böser Mensch ihnen auch vergiftetes Essen anbieten würde.

Erst nach einer ganzen Weile brach einer der beiden sein Schweigen. "Wer seid Ihr, Bursche?" "Ein einfacher Wanderer. Ich komme aus Gelahir. Ich will nach Battenbrunn und nach Averhus." "Was wollt Ihr in Averhus? Das kleine Nest bietet nicht einmal ein Gasthaus?" Cherubias horchte auf. "Ihr kennt Averhus?" "Ich bin dort geboren, mein Vetter hier auch." Cherubias musterte die beiden. Beide waren recht groß gewachsen, hatten langes, dunkles Haar und waren von kräftiger Statur. Man hätte sie für Brüder halten können.. "Ich suche dort einen Mann, meinen jüngeren Bruder." Der Holzfäller warf einen prüfenden Blick. "In Averhus gibt es keinen wie dich. Nur ein paar Bauern!" Lächelnd sah Cherubias ihm ins Gesicht. "Ein Händler von dort hat meinen Bruder adoptiert. Darnus war sein Name." Der Mann schüttelte den Kopf. "Es gibt in Averhus keinen Händler.

Hin und wieder kommen dort fahrende Kaufleute vorbei, reisen jedoch meist nach einigen Stunden wieder ab. Und einen Darnus kenne ich dort nicht." Cherubias sank in sich zusammen. Sie saßen eine ganze Weile schweigend am Feuer, bis der andere Holzfäller unvermittelt das Wort erhob. "Einige Meilen vor dem Dorf gibt es ein kleines Anwesen. Dort lebt der alte Norg. Ein Einsiedler. Man sagt, dass er nach dem Krieg einen Jungen mitgebracht hat. Aber was aus dem Kind geworden ist, weiss keiner." "Wer ist dieser Norg?" "Ich weiss es nicht genau, aber man sagt, dass er reich aus dem Krieg kam und dann alles verloren hat in zwei harten Wintern. Seitdem sieht man ihn nur selten auf den Straßen. Ich bin nicht alt genug, um dies miterlebt zu haben."

Cherubias bot noch etwas von seinem Essen an, diesmal bedienten sich die Holzfäller. Sie schwatzten noch eine Weile über Belanglosigkeiten, meist mit großen Pausen zwischen den einzelnen Sätzen, dann legten sie sich in das Zelt zum Schlafen.

wird fortgesetzt.

© cherubias




Aus dem Archiv

Altweibersommer

Ein guter Tau ist so viel wert wie ein schlechter Regen, das hat er gesagt, der alte Ohm. Er wirds wohl wissen, war er doch Zeit seines Lebens ein Bauer und mußte als solcher immer mit allen Unbilden des Wetters fertig werden, ob nun Trockenheit, Hitze, Überschwemmung oder Kälte. Nach dem Wetter gefragt hab ich ihn, als er da so in der Sonne saß, auf einem kleinen Bänkchen vor seiner bescheidenen Hütte. Wollte wissen, was dran ist an den Geschichten über Elfengespinste, Hinterlassenschaften von Zwergen oder gar den Nornen. Der Herr Pfarrer reagiert recht empfindlich auf derlei Gerede und behauptet, es würde sich um "Mutter Gottes Gespinst" handeln. Die jungen Mädchen geraten schier aus dem Häuschen, wenn sie an sich diese silbrigen Fäden entdecken, soll das doch ein Zeichen für eine baldige Hochzeit sein.

Was soll man nun davon halten? Ich weiß auch nicht, wem man da Glauben schenken soll. Schön siehts ja schon aus, wenn man frühmorgens hinter dem angespannten Ackergaul zu seinen Feldern geht. Ist zwar noch recht kalt und trübe, der Nebel liegt noch über dem ganzen Land. Später wirds wohl noch aufklaren, wenn die Sonnenstrahlen die dicke Nebelsuppe aufgegessen haben. Wenn man aber am Morgen so über die Ackerraine und die bereits blattlosen Sträucher schaut, dann kann man sie sehen, die zarten Gespinste mit ihren aufgereihten Perlen. Wie gewobenes Haar von alten Weibern schauts aus, reichlich geschmückt, mit silbrigem Glanz, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Gebilde anstrahlen.

Wenn man aus Versehen an ein solches Netz stößt, dann ist es gleich kaputt und man wird nass. Näher betrachtet sind das recht kunstvolle Gebilde, die einzelnen Fäden hauchdünn und durchgebogen von den aufgereihten Perlen, die aber wohl doch nur Wassertropfen sind. Eigentlich gibts diese kunstvollen Werke nur zu dieser Jahreszeit, die in unserer Gegend Altweibersommer geheißen wird. Auch darüber hab ich den Alten befragt, warum das so sei. Ganz genau erklären konnt' er es mir auch nicht. Meinte wohl, daß besonders die alten Weiber die letzten Tage des Sommers genießen würden, bevor die kalte Jahreszeit endgültig Einzug hält. Auch sähen die glitzernden Fäden, die manchmal durch die Luft fliegen, wie langes, dünnes Haar von alten Frauen aus, oder wie ganz feines Garn, welches die alten Frauen spinnen.

Ich kanns mir jetzt wohl aussuchen, was ich nun glauben möchte. Auf jeden Fall wirds wohl nicht mehr lange dauern, dann werden die Bäume ihre buntgefärbten Kleider anziehen und die Herbststürme werden sie wieder entkleiden. Die Felder sind nun abgeerntet und es sind nur noch kurze Stoppeln übrig. Die Hütebuben machen sich ihren Spaß draus, Wettrennen auf diesen großen Flächen zu veranstalten. Solange sie dabei nicht ihre Gänseschar aus den Augen lassen, solls mir recht sein.

Verabschiedet hab ich mich vom alten Ohm mit lauter Stimme, er hört wohl nicht mehr sehr gut. Dann will ich mich mal wieder auf den Weg machen, um mein Tagwerk zu beginnen und dabei hin und wieder aufpassen, ob ich nicht doch jemanden (gar einen Elfen oder Zwerg) bei der Fertigung eines dieser Wunderwerke beobachten kann.

Mirtlbauer von Dydersdorf




Fabelwesen Teil 17

die Dryaden

Nun ist es höchste Zeit die britischen Inseln zu verlassen, erste Klagen über Zahnschmerzen kommen auf. Dagegen muß etwas getan werden, schließlich macht es sich nicht gut, wenn die gesamte Reisegruppe mit dem berühmten englischen Lächeln wiederkehrt.

Daher krallen wir uns in einem Hafen einen Nachbau von Donald McKay´s berühmter Flying Cloud. Rasant gestaltet sich die Fahrt auf diesem Klipper, rasant, zumindest bis Gibraltar. Den Atlantik verlassend wirds im Mittelmeer merklich lahmer. Aber was solls, wir haben ja Zeit. Schließlich sind wir auf der Arbeit und nicht auf der Flucht. Da das Schiff leider ohnehin nur noch in der Einbildung respektive der Erinnerung existiert, hat man mehr Zeit zum Träumen während man langsam auf der Pinasse dahinsegelt.

Die Sonne scheint grell und blendet. Mit zusammengekniffenen Augen stimmt man in den Shanty mit ein. Nach und nach gerät man in Trinklaune, aus Wohlbefinden wohlgemerkt, nicht aufgrund der schlechtsingenden Person neben einem.

Auf die Strasse von Malta folgt die Straße von Sizilien, darauf das Ionische Meer und das kretische Meer erreichend sehen wir die ersten Küstenzüge Kretas vor uns. Kurze Zeit später setzen wir nasse Füße aufs Land.

Die Sonne scheint, feige Wilde rascheln irgendwo im Unterholz, wilde Feigen hängen reif an den Bäumen und ziehen uns magisch an. Derart gesättigt lassen wir uns im Schatten einiger Bäume zur Ruhe nieder. Diese ist von kurzer Dauer. Sanfte Stimmen säuseln scheinbar über uns. Wir heben den Blick empor, da sind sie, die Dryaden!

Sie sind Baumgeister der griechischen Mythologie, die, getreu des griechischen Wortes "Druádes", eigentlich Nymphen der Eichbäume sind. Das griechische "drys" bedeutet Baum, Eiche und geht zurück auf das indo-europäische "derew(o) für Baum oder Holz. Doch im Laufe der Jahrhunderte wurde die Bezeichnung Dryade für alle Baumnymphen üblich.

Die anderen Namen hört man nur noch sehr selten, sie sind weithin leider in Vergessenheit geraten. Die Dryaden der Esche nennt man Meliai, zu ihnen gleich noch mehr. Die Dryaden der Apfelbäume werden Epimeliaden (griech. melon = Apfel) genannt, die der Walnussbäume Karyatiden (griech. Karya = Nussbaum).

Die Meliai betreuten den kindlichen Zeus in der Höhle von Psychro im Dikti-Gebirge auf Kreta. Rhea, eine der Titaninnen, ist die Tocher der Gaia und des Uranos. Sie vermählt sich mit ihrem Bruder Kronos und zeugt mit diesem die Gottheiten Hestia, Demeter, Hera, Hades, Poseidon und Zeus.

Zeus entmachtet später seinen Vater Kronos. Kronos wiederum, jüngster Sohn der Gaia und des Uranos, ist der Anführer der Titanen. All seine Nachkommen, Titanen, Kyklopen, Hekatoncheiren waren Uranos verhasst. Er verbarg sie in den Tiefen der Erde, im Tartaros.

Dort gebar Gaia im Verborgenen weitere Kinder, so auch Kronos. Doch schmerzten sie Gaia, ihre Mutter, dort, woraufhin sie "Adamas", das dem Menschen nicht zugängliche Metall hervorbrachte. Daraus fertigte sie eine gewaltige Sichel und stiftete ihre Söhne zur Kastration des Vaters an. Alle erschraken, doch Kronos zeigte sich willens.

Uranos, der Himmel in Göttergestalt, bedeckte jede Nacht Gaia, die Erde. Als er dies das nächste Mal tat und bei ihr lag, entmannte ihn Kronos mit der Sichel. Das dabei verströmte Blut befruchtete Rhea, die schließlich die Meliai gebar.

Das abgetrennte Geschlecht Uranos´ befruchtete noch so einige andere, über Kronos gäbe es noch vieles zu berichten, doch nutzen wir die gelungene Rückführung zu den Meliai und damit zu den Dryaden.

The Dyrad von Evelyn De Morgan (British, 1850-1919) Da die Dryaden den Nymphen angehören, sind sie wie diese ausschließlich weiblich. Sie gelten dabei als besonders schöne und anmutige Wesen. Wie alle Nymphen sind sie übernatürlich langlebig und an einen festen Ort gebunden. Einige unter ihnen gingen über diese Bindung noch hinaus, diese Dryaden werden Hamadryaden genannt.

Jene gingen eine besondere Symbiose mit den Bäumen ein, indem sie mehr oder weniger ein Teil von ihnen wurden. Starb der Baum, so starb auch die ihm zugehörige Hamadryade, oder leidet der Baum, leidet auch die Dryade. Sie leidet auch, wenn sie zu lange von ihrem Baum getrennt ist. Aus diesem Grunde bestrafen sowohl die Dryaden als auch die griechischen Götter einen jeden Sterblichen, der einen Baum verletzt, ohne vorher die Baumnymphen angerufen zu haben.

In seinen Metamorphosen erzählt der römische Dichter Ovid von der Wandlung der Daphne. Daphne war wie die Göttin Artemis eine jungfräuliche Jägerin, eine Priesterin der Mutter Erde und eine Bergnymphe.

Apollon verspottete Eros als miserablen Schützen. Derart beleidigt rächte sich dieser, indem er einen Liebespfeil mit goldener Spitze auf Apollon und einen mit bleierner Spitze auf Daphne schoss. Apollon verliebte sich unweigerlich unsterblich in Daphne, welche, da von einem das Gegenteil bewirkenden Pfeile getroffen, für jene Liebschaft unempfänglich wurde. Aufgrund der anhaltenden Bedrängungen Apollons flieht sie schließlich. Erschöpft von der Verfolgung bittet sie ihren Vater Peneios, er möge ihre liebreizende Gestalt wandeln.

"Eine schwere Taubheit fährt in ihre Glieder. Zarte Rinde umschlingt ihre weichen Brüste, die Haare werden zu Blättern und die Arme wachsen zu Zweigen empor. Daphnes Füße erstrecken sich ins Erdreich und werden zu Wurzeln, ihr Antlitz verliert sich im Blätterdach. Schließlich bleibt nur noch ihre Schönheit zurück. Apoll berührt sie nun in Gestalt des Baumes und fühlt noch ihr Herz schlagen. Er will sie küssen, aber sie weicht, nun als Baum, noch immer zurück.“

Seither war der Lorbeer dem Apollon heilig und er trug fortan zum Gedenken an Daphne einen Lorbeerkranz bzw eine mit Lorbeer geschmückte Leier.

In einer anderen Sage seiner Metarmophosen berichtet Ovid von Kallisto, "der Schönsten."

Sie war die Tochter von Lykaon, des Königs von Arkadien. Als eine der Nymphen de Artemis war sie somit zur Keuschheit verpflichtet. Doch ihre Schönheit weckte die Begierde des Zeus. Er näherte sich ihr in der Gestalt der Artemis und küsst sie, allerdings nicht wie eine Jungfrau küsst. Sie wehrt sich, doch wer vermag es Zeus zu bezwingen?

Kallisto versucht ihre Schwangerschaft zu verbergen, wird beim Bad aber von den anderen Nymphen bloßgestellt und von Artemis verstoßen. Sie gebiert Arkas, späterer Ahnherr der Arkadier. Aus Eifersucht wird sie danach von Zeus Gattin Hera in eine Bärin verwandelt.

Fünfzehn Jahre später trifft Kallisto ihren Sohn Arkas, der nun Jäger ist. Sie will ihn umarmen, jener das vermeintlich wilde Tier aber töten. Zeus greift ein. Er versetzt Kallisto als das Sternbild des großen Bären und Arkas als das den kleinen Bären in den Himmel.

Hera, noch immer von Eifersucht getrieben, erwirkt daraufhin bei Okeanos wenigstens, daß die beiden Sternbilder als zirkumpolare Sternbilder, niemals in das erfrischende Meer eintauchen dürfen.

Als zirkumpolar (lat. circum = herum, griechisch polos = Wirbel) bezeichnet die Astronomie für einen bestimmten Ort auf der Erde diejenigen Objekte, die sich in der Nähe des Himmelspols befinden und nicht untergehen.

Nicht nur die griechische Mythologie kannte Baumnymphen. In der indischen Mythologie sind sie ebenso vertreten wie in der keltischen. Die schottische Folklore belebt Ghillie Dhu, zwar eine Fee, die als Schutzgeist der Bäume aber ähnliche Aufgaben wahrnimmt. In Japan heißt es, bestimmte Bäume wären von Kodama erfüllt.

Der bei einer anderen Gelegenheit bereits genannte John Milton erwähnt Dryaden in seinem ebenfalls bereits erwähnten Paradise Lost. John Keats bezeichnet die Nachtigall als "light-winged Dryad of the trees" in "Ode to a Nightingale". In Sylvia Plath´ "On the Difficulty of Conjuring up a Dryad" und in "On the Plethora of Dryads" symbolisieren sie Natur und Vergänglichkeit. In Clive Staples Lewis "The Chronicles of Narnia" finden die Dryaden ebenfalls Eingang.

Desweiteren sind sie natürlich, wie so viele andere Fabelwesen, aus allen möglichen Fantasy-Rollenspielen nicht wegzudenken, the Witcher, Sacred, Spellforce, WoW seien hier genannt.

USK 1 von 5
Nun kann man Bäumen an sich eine gewisse Schönheit zusprechen, doch noch schöner seien sie, wenn eine Dryade sie beseele. Das mag man sehen wie man will. Fakt ist, daß vielen Menschen heute der Sinn für die Schönheit, und Gebrechlichkeit, der Natur abhanden gekommen ist.

Dies ist bedauerlich, denn bislang ist die Natur noch mit vielen vom Menschen verschuldeten Schandtaten zurecht gekommen. Doch wird dieser nicht müde, sie aufs Neue zu bedrängen und zu schänden. Fast mag man wünschen, die Natur räche sich an jenen, die ihr Böses tun.

Vielleicht ist es höchste Zeit, daß die Natur Wesen hervorbringt, die im Menschen das sehen, was er in der Natur sieht, Ressource und Mittel zum Zweck.

Die Dryaden als an sich friedfertige Wesen vermögen dies sicherlich nicht. Zwar ist von Strafen für Frevler die Rede, doch wie diese genau aussehen, davon wird leider wenig berichtet. Vereinzelt finden sich Hinweise, daß Menschen, die das Blut der Dryaden, das Harz der Bäume, vergossen, bestraft wurden. So mußten sie vor den Augen der Götter ihre eigenen Gliedmaßen verspeisen und dergleichen. Dies wäre eine Möglichkeit, die heute aber wohl nur noch sehr schwer durchführbar wäre. Außer die Götter führten stets Ketchup mit sich....

In diese Sinne, bis zum nächsten Fabeltag!

© Singularis Porcus


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