Ausgabe 166 | Seite 1 29. August 2010 AD
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Seyd gegrüßt
werte Bürgerinnen und Bürger!

Wir sind erschüttert! Es ist wahrlich ein Akt der Freiheitlichkeit, dass die Presse in unserem Land das Recht hat, unzensiert über Informationen und Meinungen zu berichten. Manchmal allerdings beschleicht uns das Gefühl, dass der Zusammenhang vertauscht wird und dadurch die Leser mehr oder weniger bewußt getäuscht werden.

Ist es nicht so, dass mensch nur zu einer (möglichst neutral vorgebrachten) Information eine Meinung haben kann? Wer kann sich eine objektive Meinung bilden zu einer Sache, über die er nichts weiß? Vor Erfindung der Presse war dies nicht möglich. Seit Erfindung der Presse scheint dies gang und gäbe: Die subjektive, also persönliche Meinung des Journalisten zu einem bestimmten Thema wird durch die Berichterstattung in einem Presseorgan zur vermeintlich objektiven Information. Oder anders: die Leser werden zwar nicht belogen, aber arg getäuscht.

Ein Beispiel: Bei einer lokalen Sportveranstaltung ist ein Fernsehteam anwesend. Es filmt diverse Wettkämpfe inklusive Siegerehrung. In der landesweit ausgestrahlten Zusammenfassung am Abend liegt der Schwerpunkt der Reportage auf dem Portrait eines einzelnen Teilnehmers. Nein, es ist nicht der Sieger des Wettbewerbs - wie man erwarten würde - sondern der Zweitplazierte. Über sein Abschneiden im Wettlauf wird nichts berichtet, ebenso nicht, dass die Trainerin des Sportlers und der Kameramann ein Paar sind.

Auf diese Weise führt persönliche Beziehung - oder auch Befangenheit - dazu, dass Meinung zu Information wird, nämlich zu der Fehlinformation, der Zweite sei der Erste, nur weil ausschließlich über den Zweiten und dessen Leistungen berichtet wird, der Erste - und auch alle anderen - aber unerwähnt bleiben.

Das ist sicher ein geschickter journalistischer Schachzug, aber sozial ungerecht und informativ falsch. Zensur erfolgt hier nicht durch die Exekutive am Text, sondern durch die Presse selbst an der Information.

Wir distanzieren uns deutlich von solchen Praktiken - (außer vielleicht auf dieser Seite) ...

Eure
Tagblatt-Redaktion





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